Wer in Aschaffenburg baut, spürt den Unterschied zwischen der Altstadt auf dem Sandsteinrücken und den tieferen Lagen nahe der Aschaff. Während man oben oft auf verwittertem Festgestein gründet, trifft man unten auf mächtige, grundwasserbeeinflusste Sand-Kies-Terrassen des Mains. Für tiefe Baugruben heißt das: Je nach Lage sind komplett unterschiedliche Ansätze nötig. Im Norden, Richtung Damm, stößt man auf grobe Kiese mit hoher Durchlässigkeit – ideal für Wasserhaltungskonzepte, aber eine echte Herausforderung für die Böschungssicherung. In den innerstädtischen Quartieren, etwa am Schlossplatz, kommen oft bindige Zwischenschichten dazu, die das Setzungsverhalten ändern. Bevor wir eine geotechnische Bemessung tiefer Baugruben angehen, klären wir mit einem georadar die Lage verdeckter Hohlräume und alter Keller, denn die gibt es hier häufiger als man denkt. Der Versuch mit Plattendruck liefert dann direkt vor Ort die Steifigkeit der oberen Schichten – beides essenziell für die Steifigkeit des Verbaus.

Die Unterscheidung zwischen ständiger und vorübergehender Bemessungssituation ist bei den schwankenden Grundwasserständen in Aschaffenburg der entscheidende Faktor für Wirtschaftlichkeit und Sicherheit.
Arbeitsumfang in Aschaffenburg
Kritische Bodenfaktoren in Aschaffenburg
Die winterlichen Niederschläge im Spessart und die Schneeschmelze im Frühjahr lassen den Grundwasserspiegel in Aschaffenburg um bis zu 2,5 m ansteigen. Das größte Risiko bei tiefen Baugruben ist der hydraulische Grundbruch – wenn der Auftrieb die Sohle aufreißt. In den Kieskörpern nahe der Aschaff kann das schnell passieren, wenn die Wasserhaltung nicht richtig dimensioniert ist. Wir berechnen daher immer den Standsicherheitsnachweis nach DIN 1054 Abschnitt 12.4 mit einem Teilsicherheitsbeiwert von γG,stb = 1,35. Ein zweites Risiko sind die unterschiedlichen Steifigkeiten zwischen Sandsteinfels und den darüber liegenden Lockersedimenten – das führt zu ungleichen Setzungen, die den Verbau überlasten können. Mit einer Kombination aus Druckmessdosen im Verbau und täglichen Nivellements der Nachbargebäude behalten wir das im Griff.
Unsere Leistungen
Wir begleiten Ihr Bauvorhaben von der ersten Sondierung bis zum abschließenden Setzungsbericht – maßgeschneidert auf die Bedingungen in Aschaffenburg.
Baugrubenverbau und Wasserhaltung
Planung und Nachweisführung für Spundwände, überschnittene Bohrpfahlwände und Trägerbohlwände inklusive hydraulischer Grundbruchsicherheit. Wir dimensionieren die Wasserhaltung (offene oder geschlossene Systeme) auf Basis der gemessenen Durchlässigkeiten vor Ort.
Numerische Setzungsprognose und Monitoring
Finite-Elemente-Modellierung der Baugrubenverformungen unter Berücksichtigung der angrenzenden Bebauung. Wir installieren automatische Neigungsmesser, Setzungspegeln und Druckmessdosen und werten die Daten täglich aus – für den Fall der Fälle auch mit Alarmgrenzen.
FAQ
Welche Bodenverhältnisse sind in Aschaffenburg für tiefe Baugruben typisch?
Im Maintal dominieren sandig-kiesige Terrassen mit sehr guter Tragfähigkeit, aber hohem Grundwasserstand (oft 2–4 m unter Gelände). In den Hanglagen zur Altstadt hin steht verwitterter Sandstein an, der zwar standsicher ist, aber häufig Klüfte und Hohlräume aufweist. Dazwischen liegen schluffige und tonige Einschlüsse aus alten Flussarmen, die das Setzungsverhalten stark beeinflussen. Eine gezielte Erkundung ist daher unverzichtbar.
Welche Normen und Richtlinien sind für die Bemessung in Aschaffenburg maßgebend?
Die geotechnische Bemessung tiefer Baugruben in Deutschland erfolgt nach Eurocode 7 (EN 1997‑1:2004) mit den nationalen Anhängen der DIN 1054:2021‑04. Für den Verbau selbst gelten die DIN 4123 (Unterfangungen) und die Empfehlungen des Arbeitskreises „Baugruben“ (EAB). Bei Wasserhaltung kommt die DIN 19700 (Stauanlagen) ergänzend hinzu. Alle Nachweise führen wir mit Teilsicherheitsbeiwerten nach DIN 1054.
Wie läuft die geotechnische Bemessung einer tiefen Baugrube in Aschaffenburg ab?
Zuerst erkunden wir den Baugrund mit Rammkernsondierungen und Schürfgruben, ergänzt durch Grundwassermessstellen. Aus den Proben bestimmen wir im Labor die Scherparameter, Steifemoduln und Durchlässigkeiten. Anschließend modellieren wir die Baugrube mit der Finite-Elemente-Methode, dimensionieren den Verbau und die Wasserhaltung und weisen die Standsicherheit für alle Bauzustände nach. Den Abschluss bildet ein Setzungsprognosebericht für die Nachbarbebauung.